Diese Abhandlung wurde uns, mit freundlicher Unterstützung, 
vom Deutschen Strumpfmuseum zur Verfügung gestellt

Teil  2
       
Fuß- und Beinbekleidung der Stein- und Bronzezeit

Es ist anzunehmen, dass die ersten Menschen Tierfelle zur Herstellung von Fuß- und Beinbekleidung verwendeten. An erster Stelle stand die Zweckmäßigkeit der Bekleidung, der Schutz vor Witterungseinflüssen und Verletzungen. Zum Schutz des Fußes dienten bis zur Bronzezeit vermutlich Fell- oder Leder-Lappen, die mit Bändern zusammengehalten wurden. 

 
Leder- und Fellkleidung der Germanen in der Steinzeit
Seit der Bronzezeit findet man neben den Fußlappen bereits aus dickem Wollstoff gefertigte Wickelgamaschen. Die Lederriemen oder Bastbänder der Schuhe, die kreuzend über die Lappen oder Bänder bis zum Knie geschlungen wurden, hielten diese Fußbewicklung fest. Auch genähte Lederstrümpfe scheinen schon früh bekannt gewesen zu sein.  
Germanische Kleidung in der frühen Bronzezeit
     
Fuß- und Beinbekleidung in der Antike

Als die Völker mainl- und Westeuropas noch in der Steinzeit lebten, hatten die Griechen bereits aus dem Orient, wo die Bronzegewinnung schon seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. bekannt war, die Metallverarbeitung übernommen. Da sich Handwerk und Handel im Südosten Europas und in den mainlmeerländern ebenfalls früher als in den anderen Gebieten Europas entfalteten, schritt auch die Entwicklung der Kleidung schneller voran, so dass die Länder der antiken Hochkulturen auf dem Gebiet der Mode mehr als ein Jahrtausend lang die Führung übernahmen. In Griechenland und Rom stellten bereits hoch spezialisierte Handwerker Textilien und Gewänder her, während die außerhalb der antiken Welt lebenden Völker Europas diese noch selbst herstellten. 

Mit dem Niedergang der griechischen Kultur trat Rom, das fast alle Länder des mainlmeerraumes unterworfen hatte, auch auf dem Gebiet der Mode das Erbe Griechenlands an.

 
Traditionelle griechische Kleider
     
Die Romanisierung der Provinzen während der römischen Kaiserzeit trug dazu bei, dass die Trachtenunterschiede zwischen Römern und Provinzialen schwanden. In dieser Zeit wurden die von den Römern als "barbarisch" bezeichneten Hosen übernommen. Römische Soldaten waren die ersten, die anstelle von Beinbinden Kniehosen trugen, die kürzer und enger als die der Germanen waren.   
Römischer Feldherr und Germane. Während der Römer das klassisch-antike Gewand mit der rockartigen Tunika trägt, wird der Germane in Kniehosen dargestellt
Im 3. Jahrhundert n.Chr. übernahm auch die römische Mode allmählich die Hose. Ende des 4. Jahrhunderts versuchten zwar die Kaiser Honorius und Arkadius die Hosentracht - zumindest in Rom - zu verbieten, was jedoch erfolglos blieb.  
Die römischen Soldaten hatten im 3./4. nachchristlichen Jahrhundert die germanischen Kniehosen in ihre Kriegstracht übernommen 
Nachdem Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Oströmischen Reiches erhoben wurde, kamen die neuen modischen Impulse aus Byzanz.  
Bei den Kriegern des Oströmischen Reiches finden sich im 5. Jh. n.Chr. Kniehosen, Langhosen und Wickelgamaschen sowie mit Bändern gehaltene Strümpfe
Während das Weströmische Reich dem Ansturm der Barbaren erlag, blieben das Oströmische Reich und seine Kultur noch jahrhundertelang erhalten. Kaiser Justinian (518-527), der bis auf Gallien fast alle Gebiete des ehemaligen Römischen Reiches zurückeroberte, leitete eine Renaissance der antiken Kultur und Trachten ein.   
Eine Renaissance der antiken Trachten fand unter dem byzantinischen Kaiser Justinian (518-527) statt. Lange gewandartige Kleider wurden zum Zeichen des Christentums
Besondere Ausprägung erhielt die byzantinische Kultur und Tracht durch die christliche Kirche, die, nachdem sie im 4. Jahrhundert zur Staatskirche erhoben wurde, alle Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens beeinflusste. Nicht nur die Priester, auch die Laien, mussten dabei der Verhüllung des Körpers mit langen Gewändern Rechnung tragen Die Beine wurden, wenn überhaupt sichtbar, mit engen Hosen bedeckt.   
Darstellung der Kleidung von Christen im 6. Jh. n.Chr.
Aus Byzanz wird berichtet, dass die "Lederschuhe" der Männer bis zum Knöchel oder noch ein wenig höher gehen und dass sie mit Riemen überspannt werden, die die Sohle halten. Vermutlich handelt es sich nicht um Schuhe sondern um Socken aus feinem Leder oder wollenen Stoffen, die über genähten langen Strümpfen getragen werden und über die man beim Ausgehen Sandalen anzog.   
Darstellung der byzantinischen Mode in der 1. Hälfte des 6. Jh. n.Chr.
     

 

weiter zu Teil 3: Die ersten Strümpfe
 
 

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